Quadrat im Kreis

just an ordinary life

Monat: Februar 2012

Die Sache mit dem Älterwerden

Jedes Jahr rücke ich ein Stückchen näher an die magische 40 heran. Manchmal sehe ich jünger aus. Wenn ich glücklich bin. Manchmal fühle ich mich wie 50, wenn ich schlecht geschlafen habe, krank bin oder der Tag 20 Stunden hatte. Ich habe Augenfältchen. Wenn ich kritisch mit mir bin, betrachte ich mich im Spiegel von hinten. Vorn an der Stirn wachsen meine ersten grauen Haare. Ich halte den Jugendlichkeitskult in einer Gesellschaft, in der die Geburtenquote sensationell niedrig ist, für idiotisch – aber: ich mag auch nicht alt werden. Mir graut vor noch mehr Falten, völlig grauen Haaren, schlaffer Haut, Lustlosigkeit und anderen Launen des Alters. Ich habe noch kein Rezept dafür gefunden, in Würde und innerer Schönheit zu altern.

Der Winter, so scheint mir, macht sentimental.

Made my Day

Vorstellungsrunde mit der neuen Klasse. Wir spielen „Der Lehrer. Das unbekannte Wesen“. Die Schülerinnen und Schüler, die mich noch nicht kennen, stellen mir Fragen und überlegen sich, was ich wohl darauf antworten könnte. Quintessenz ihrer Überlegungen: Ich bin maximal Anfang 30, mein zweites Fach ist Latein, ich spiele in meiner Freizeit Fußball und schlafe abends vor dem Fernseher ein.

Irgendwie glücklich

An manchen Abenden weiß ich nicht, wo mir der Kopf steht. Manchmal verwechsle ich auch Yannick mit Leon und Alina mit Klara (Namen vom Schreiberling frei erfunden). Aber das Glück das zu tun, was ich tue, dabei an einer guten Schule gelandet zu sein, überwiegt bei weitem. Sich dort geborgen zu fühlen, in weitgehend glückliche Schüleraugen zu blicken, im Lehrerzimmer Humor, Hilfe, Handreichungen zu finden, sich freuen, wenn Verstehen stattfindet und nach der Schule fröhliche Sechstklässler auf dem Fahrrad winken …

Aber auch das: harte Nüsse knacken, Erstaunen darüber, wenn schweigsame Kursmitglieder plötzlich auftauen und sich was trauen, wenn Fronten aufbrechen, gemeinsam gelacht werden kann und das Ende der Stunde ganz plötzlich kommt.

Manchmal denke ich, es war Schicksal, bis jetzt gewartet zu haben, auch wenn ich an manchen Tagen am Stock gehe, unser Haushalt nur noch wenig Struktur aufweist und meine Kinder die Bastelnachmittage im Kindergarten manchmal ohne mich verbringen müssen  – „whatever is, is right!“

„Das Gemeine ist ja …“,

sprach das Töchterlein beim Lüften, „dass in der Kälte auch noch Luft drin ist!“ Bescheidene Bitte an den Winter: bleib so sonnig, wie du bist, aber 10 Grad mehr wären auch noch 8 Grad unter Null *bibber*

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