Quadrat im Kreis

just an ordinary life

Month: Mai 2012

Geschenkte Zeit

Eben ein Anruf: Meine Nachmittagsveranstaltung in der Schule fällt aus. Vier Stunden geschenkte Zeit. Zwei Stunden, habe ich beschlossen, schenke ich dem Klausurstapel auf meinem Schreibtisch, zwei Stunden den Kindern. So schön, diese Zeitgeschenke.

Neben unserer Schule befindet sich ein Altenheim. Die Menschen, die dort wohnen, laufen oft und gern über unseren Schulhof. Sie sitzen am Rand des Grünstreifens auf Bänken und schauen dem wilden Treiben in den Pausen zu. In der letzten Woche hockte auf einer Bank ein Ehepaar, Anfang 80, mit einem kleinen Wonneproppen auf dem Schoß (ich denke, das Kind war ca. acht Monate alt). Alle drei strahlten um die Wette. Dieses Bild hat sich mir eingeprägt. Erfüllung. Ein Kreis, der sich schließt. Und auch das: Geschenkte Zeit.

Und ich weiß wieder, warum ich dieses Kinderbuch immer noch so gern mag.

*kicher*

„Also, wie Sie gleichzeitig an die Tafel schreiben, auf Schüleräußerungen eingehen und mit dem Rücken zur Klasse Leute aufrufen können, ist ja schon höhere Kunst!“ (das für mich persönlich witzigste Feedback aus der Nachbesprechung meines Unterrichtsbesuchs heute ;-)) – wozu habe ich eigene Kinder? (mit dem Kopf in der Waschmaschine gleichzeitig einen Streit zwischen den Großen schlichten und dem jüngsten Kind den Knopf schließen ist doch eine der leichteren Übungen des Elterndaseins … )

Heute dann so: Bergfest!

 

mit 21 Sechzehnjährigen …

… Eis essen und auf die grüne Wiese setzen kann bei 32 Grad Außentemperatur als pädagogische Maßnahme durchgehen. Oder?

 

Merkeleien

Wenn man monatelang in der öffentlichen Wahrnehmung nicht in Erscheinung tritt und nur dadurch von sich reden macht, dass man Mitarbeiter feuert, die gerade eine Wahl verloren haben, was sagt das über das eigene Führungsverhalten aus? Über den Umgang mit Niederlagen und Verlierern? Projiziert man eigenes Versagen auf andere und versucht sich durch Exekution einer Entlassung davon zu befreien? Spannend das. So von außen betrachtet.

Und unsere Kinder?

„Kein Mensch, wenn er die Welt sieht, die sie ihm hinterlassen, versteht seine Eltern.“

(Max Frisch, „Andorra“)

 

Manchmal ist der Weg das Ziel

Meine wilde 7 und ich – wir arbeiten uns vom späten Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg durch. Im Lauf eines Schuljahres. G8 will das so. In teilweise atemberaubender Geschwindigkeit hecheln wir durch die Jahrhunderte, dürfen keinen Themenkomplex auslassen, und an manchen Punkten streiken die Hirne der Dreizehnjährigen – verständlicherweise: So mancher Erwachsene versteht Robespierres Ausführungen über die Tugend und inwiefern sie Gewalt rechtfertige, nicht. Wir bauen Brücken, schaffen Analogien, notieren Befremden und geben unser Bestes. Immer in der sechsten Stunde. Gestern dann, ursprünglich ging es um Bismarck und die Reichsgründung „von oben“, fragte ein Mädchen in der letzten Reihe beim Blick auf die Karte, warum die Grenzen Deutschlands denn eigentlich heute so anders ausschauten als früher. Und wir kamen auf zwei große Kriege. Kriegsschuld. Niederlagen. Selbstbestimmungsrecht der Völker. Teilungen. Und landeten am Ende der Stunde bei der Wiedervereinigung – und es war ruhig. Mucksmäuschenstill. Und der wildeste Kerl von allen seufzte und sagte: „Mann, was waren wir (er meinte die Deutschen) dumm. So oft so dumm. Und damit müssen wir jetzt leben.“ Mein Unterrichtsziel habe ich gestern nicht erreicht. Aber dafür etwas anderes.

Schaubild

„Und dann zeichnet ihr als Hausaufgabe ein Schaubild zum Lehnswesen, aus dem die verschiedenen Beziehungen und Abhängigkeiten deutlich werden“, sprach Frau Kreis in der vergangenen Woche zu ihrer zauberhaften sechsten Klasse. Bei der heutigen Hausaufgabenkontrolle wurde mir klar, dass ich das mit dem Schaubild einigen Kindern noch mal hätte näher erläutern müssen. Dreiviertel der Klasse malte eine Pyramide, ein Dreieck oder eine ähnliche grafische Darstellung, der Rest der Kinder war künstlerisch unterwegs und präsentierte mir fast lebensgroße, mit viel Sorgfalt gemalte, in prächtige Gewänder gehüllte Könige, Äbte, Bischöfe und Grafen, die Schlüssel, Zepter und Urkunden überreichten. Schau her, Frau Kreis, ein Bild, oder kurz: Schaubild! (und so kam es, dass der Klassenraum seit heute einer mittelalterlichen Ausstellung zur Buchmalerei gleicht …)

Es rührt mich …

… wenn das kleine Mädchen vorm Insbettgehen seine Kuscheltiere zusammensucht, dabei den abgegriffenen Hasen wiederfindet, eine halbe Stunde lang verbissen im Wohnzimmer herumsucht, schließlich eine kleine braune Kugel präsentiert, die ich auf den ersten Blick für einen Bauklotz halte („Nein, Maus, keine Bausteine mit ins Bett nehmen!“), bis ich merke, dass es sich um das schon lange vermisste Stummelschwänzchen des Hasen handelt. Eigentlich klar, dass der Hase nicht schlafen kann ohne Stummelschwänzchen, und so bettet ihn das kleine Mädchen zweigeteilt neben sich. Morgen dann chirurgischer Großeingriff 😉 …

Sechs von 18

Eigentlich mittlerweile schon sechseinhalb von achtzehn Monaten sind vorbei. Ich lebe noch, und mein Rückgrat ist entgegen aller Prophezeiungen auch noch intakt. Die letzten Tage waren anstrengend, weil ich mich trotz dicker Erkältung und Zerrung meiner Bizepssehne zur Schule geschleppt habe (Zentralklausur-Vorbereitungen, UB-Vorbereitung, eigentlich darf man nimmernie fehlen), und manchmal hielten der Mann und ich abends nach achtzehn Stunden Wachsein in den Armen wie Schiffsbrüchige. Ich habe kaum noch Zeit Blogs zu lesen und ein schlechtes Gewissen, weil ich gern öfter irgendwo kommentieren möchte. Stattdessen kommentiere ich Klassenarbeiten, Schülerverhalten, Elterngespräche, Prüfungsthemen und meinen eigenen Unterricht. Das Leben ist im Moment kein langer ruhiger Fluss, es hat größere Verwandtschaft mit den Niagara-Fällen ;-).

 

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