Quadrat im Kreis

just an ordinary life

Monat: Juli 2012 (Seite 1 von 3)

Never ever …

In ganz seltenen, ganz schwachen Momenten, wenn die schönsten Bikini-Oberteile nur in 85C aufwärts vorhanden sind, hat sich Frau Kreis (Asche über mein Haupt) schon einmal gefragt, ob die Schönheitschirurgie nicht doch ein Segen sein könnte. Am Sonntag im Museum sah sie aus den Augenwinkeln eine Frau und konnte nicht umhin, noch einmal und noch einmal zu schauen. Beim ersten Hinschauen dachte sie, die Frau trägt einen Hund vor ihrer Brust. Beim zweiten Hinschauen überlegte sie, ob die Fünfzigjährige unter ihrem T-Shirt Exponate nach draußen schmuggeln wollte. Beim dritten dann begriff sie, dass es sich um neue Brüste handelte, die die Gute tief ausgeschnitten ausführte. Die Wölbung begann direkt unterhalb des Kinns – die Haut darüber war – im Vergleich zum Rest des Körpers – enorm straff. Und das Faszinierende (Frau Kreis  stand hinter einer Vitrine und starrte gebannt schaudernd an den Überresten einer römischen Legionärsausrüstung vorbei) – diese Brüs.te behielten Form und Position beim Bücken, Stehen und Gehen. So lieber doch nicht.

Echte Kunstkenner ;-)

Das Fast-Schulkind steht im Schreibwarenladen und ruft aufgeregt: „Schau, Mama, da steht Mosers Lisa!“ Frau Kreis, verwirrt, weil sie meint, keine Familie Moser zu kennen, zieht die Stirn kraus und starrt in die Richtung, in die das Tochterkind zeigt. Auf dem Präsentationstisch befinden sich wunderschöne Notizbüchlein und Tagebücher mit bekannten Kunstwerken auf dem Cover, und in der Mitte da Vincis „Mona Lisa“. Wenn ich nach den Ferien in meine neue siebte Klasse gehe und die Renaissance auf dem Plan steht, muss ich höllisch aufpassen, wie ich die Dame vorstelle …

Wüste Beschimpfungen

Die kleine Schwester, die bald Geburtstag hat und weiß, dass der große Bruder in seinem Zimmer ein Geschenk versteckt hat, steht schon viel zu lange und unter einem fadenscheinigen Vorwand im Bruderzimmer – redend und dabei unauffällig in alle Ecken schauend, während sie in der Spielzeugkiste herumsucht. Der große Bruder ahnt wohl, was sie umtreibt und raunzt sie an: „Jetzt hör endlich auf, hier herumzuschnüffeln, du Kinderzimmer-Stasi!“

Kinderbetreuung mal wieder …

… in einer Kleinstadt in NRW im Jahr 2012. Der Kindergarten hat geschlossen. Nicht nur in diesen Ferien, sondern anteilig auch in anderen Ferien. Wenigstens gibt es einen Ausweichkindergarten, mit dem man sich abwechselt. Dummerweiser liegt der aber 15 Autominuten entfernt. Alle Kindergärten in der Umgebung schließen um 16.30 Uhr. Viele am Freitag bereits um 15.30 Uhr (offenbar herrscht bei vielen Trägern noch der irrige Glaube vor, die Arbeitnehmer müssten freitags weniger arbeiten als an anderen Tagen).

Die der Grundschule angeschlossene OGS vor Ort schafft es nicht, ihre Ferienschließungszeiten mit denen des Kindergartens zu synchronisieren, sprich: immer wenn die Grundschule geöffnet hat, hat der Kindergarten geschlossen – und umgekehrt. Ohne Ausweichmöglichkeiten auf andere Schulen. Ach nein, stimmt ja gar nicht, man kann für 350 Euro und ca. 2 Wochen ein Ferienprogramm bei der örtlichen AWO buchen. Sicher. Ich zahle ja nicht bereits 500 Euro monatlich für Kindergarten und Schulbetreuung – auch in den Ferien. Aber Eltern sind ja Krösus, und wenn sie schon arbeiten gehen, verdienen sie sicherlich auch Schrillionen (bei der Einkommensbemessung ist es egal, ob zwei Partner gemeinsam 40.000 oder 500.000 verdienen, der Höchstsatz ist schnell erreicht). Auch in der OGS ist freitags 14.30 Uhr Schicht im Schacht.

Schuluntersuchungen, Einschulungsgespräche u.ä. werden grundsätzlich nur am Vormittag angeboten.

Wie sollen unter diesen Rahmenbedingungen Mütter und Väter einer Beschäftigung nachgehen, bei der sie nicht in jedem Fall (Dienstreise, Meeting, Konferenz) um 15.00 Uhr den Griffel fallen lassen können? Ach ja, stimmt, man könnte ja von dem vielen verdienten Geld, das nach Abzug von Steuern und Kinderbetreuungskosten übrig bleibt, eine Kinderfrau beschäftigen. Und Sozialabgaben für die Kinderfrau zahlen, als sei man keine Kleinfamilie, sondern ein Unternehmen, das jährlich Gewinne schreibt.

Es geht mir nicht darum, die Kinder möglichst viele Stunden außerhäusig betreut zu wissen, sondern nur um ein gewisses Maß an Flexibilität, das mittlerweile jeder einigermaßen qualifizierte Arbeitnehmer an den Tag legen muss. Ansonsten bleibt nur die Kasse vom Edeka übrig. Oder die Wursttheke. Oder das Austragen von Zeitungen vor Tagesbeginn oder nach Feierabend. Auffällig, dass so viele 400-Euro-Kräfte Frauen sind? Nicht wirklich, oder?

Hausfraulische Experimente

Oder: Wer in den Ferien zu viel Zeit hat, den bestraft die eigene Kreativität. Wir essen gern Obst in allen Formen. Roh, im Kuchen und verarbeitet zu Konfitüre und Gelee. Eigentlich kann Frau Kreis das mit dem Einkochen auch ganz gut. Wenn sie nicht ab und an auf so merkwürdige Ideen kommen würde: „Ach, nicht schon wieder schnöde Erdbeer- und Kirschmarmelade, Apfel- und Johannisbeergelees!“, seufzt sie beim Anblick des Pflückobstes theatralisch und geht ans Werk:

Was dabei so gar nicht geht:

Erdbeermarmelade mit Stückchen weißer Schokolade: schmeckt frisch ganz zauberhaft, nach einem Monat im Keller sieht die Marmelade aber aus wie (… ) ich spare mir den Vergleich, nur so viel: Weiß und Rot gemischt ergibt nicht in jedem Fall ein pastelliges Rosa.

Kirschmarmelade mit Marzipan: Die Mandeln im Marzipan werden nach kurzer Zeit ranzig, und die Marmelade riecht und schmeckt wie überlagerte Naturkosmetik mit Mandelöl.

Apfelgelee mit Walnüssen: Dasselbe Problem wie mit den Mandeln.

 

Was gut geht:

Erdbeermarmelade mit Zitronenmelisse: Das Aroma der Zitronenmelisse ist auch nach sechs Monaten noch erfreulich. (allerdings muss man die Zitronenmelisse vor der Blüte nehmen, danach gehen Geruch und Geschmack der Melisse ins Fischige über)

Erdbeermarmelade mit Vanilleschote: Muss man nix zu sagen, ein Klassiker.

Kirschmarmelade mit Zimt: Lecker. Auch nach einigen Monaten Lagerzeit.

Kirschmarmelade mit Ingwer: Interessant, wenn man es nicht übertreibt.

Erdbeer-Blaubeer-Johannisbeerkonfitüre: Lecker und auch schön anzusehen.

Apfelgelee mit Punschgewürz (Hot Apple Cider): Absolut aromatischer Kinderliebling.

Apfel-Aprikosen-Gelee mit Zimt: Auch nach neun Monaten noch lecker. Zimt kann auch durch Ingwer ausgetauscht werden.

Frau Kreis hat mittlerweile gelernt, Experimente immer nur in kleinsten Mengen zu verfertigen. Lebensmittel wegwerfen kriegt sie immer noch nicht so gut auf die Reihe. Will sie eigentlich auch gar nicht.

Die Tücken der Haushaltslogistik

Der Mann und ich – wir sind in Sachen Haushalt ein eingespieltes Team. Will heißen: wir putzen, waschen und bügeln beide nicht besonders gern, tun es aber doch ab und an, weil uns sonst die Wäscheberge, die Staubwölfe und knittrigen Hemden und Blusen umbringen (bzw. im Fall der Knitterkleidung um den Job bringen) würden. Dabei handeln wir stillschweigend so, dass jede/r von uns das tut, was er/sie am wenigsten ungern tut. In meinem Fall ist es das Wäschewaschen, Aufhängen und Wegräumen sowie Kochen und Backen, der Mann hingegen übernimmt die Grobreinigung der Wohnungsböden und sanitären Anlagen, das Heraustragen des Mülls und die Mülleimerlogistik (an welchem Montag ist welche Tonne dran?).

Nun ist es so, dass Routineaufgaben vom Betreffenden routiniert erledigt werden: Wäsche wird zunächst am Ort A gesammelt, dann Ort B zugeführt, nach Farben sortiert, anschließend an Ort C aufgehängt, zusammengelegt und (in bedenklich wackelnden Wäschekorbtürmen) wieder zu Ort A gebracht, von wo aus die Rückführung der Wäsche in die Kleiderschränke der einzelnen Haushaltsmitglieder geschieht. Der Brotbackautomat wird von mir in der Reihenfolge Wasser, Salz, Mehl, Hefe, Sauerteig, Zucker und sonstige Zusatzstoffe (Rosinen, Nüsse, Kerne) gefüllt. Der Mann hingegen – wenn er beispielsweise die Toilette putzt – hat ein kompliziertes System, seine Reinigungs- und Putzutensilien auf der Fensterbank in einer bestimmten Reihenfolge anzuordnen, um sich auf die Arbeit einzustimmen. Die Mülltonne steht am Sonntagabend an einer bestimmten Stelle, die Jalousie der Seitentüre ist dabei nicht verschlossen, damit der Mann beim Blick auf die Seitentür die Tonne sieht und zur Straße rollen kann.

Wenn nun Frau und Mann, in der besten Absicht, einander unter die Arme greifen wollen, weil der andere geistig oder körperlich abwesend erscheint, hat diese komplizierte personenspezifische Logistik dramatische Folgen. Der Sohn maulte gestern Abend, seine Unterhosen seien allesamt verschwunden. Nicht in der Schmutzwäsche, nicht auf der Wäscheleine, nicht im Wäschekorb. Durch Zufall stellte ich abends fest, dass der Mann am Wochenende die gesamte Wäsche zwar abgenommen, den Wäschekorb aber auf dem Weg nach oben im Heizungskeller deponiert hatte – darin ungefähr 15 Unterhosen des Sohnes. Als wir letztens Besuch hatten, habe ich zwei Stunden vorher unbedachterweise die Batterie an Reinigungsmitteln aus der Toilette weggeräumt, nicht daran denkend, dass die Toilette noch gar nicht gereinigt war. (wenn man Besuch von Menschen mit toilettenunerprobten Kleinkindern hat, macht das allerdings auch nicht viel …). Als ich vom Seminar heimkehrte, hielt mir der Mann ein Brot entgegen, das einem Brikett alle Ehre gemacht hätte – er hatte zwar den Brotbackautomaten korrekt befüllt, jedoch Hefe mit Salz vermischt und offenbar alle Gärungsprozesse damit im Keim erstickt. Ich wiederum habe am vergangenen Sonntag die Mülltonne in ihrer Position verschoben und die Jalousie (angesichts des Wetterelends) verschlossen, Folge: wir sitzen auf einer überfüllten Restmülltonne, die niemand zur Straße gebracht hat. Schlimm eigentlich, wie sehr wir in unseren Routinehandlungen gefangen sind. Eigentlich sollte ich in den Sommerferien mit dem Mann gemeinsam mal Workflows definieren und  ausarbeiten, ansonsten endet das irgendwann nach unserer Verrentung vermutlich in heillosem Chaos … (nicht, dass die Kinder irgendwann die Fortsetzung von „Pappa ante Portas“ drehen, „Parentes ante Portas“ oder so …)

Liebe Handwerker,

Gemeindemitarbeiter, Hoch- und Tiefbauarbeiter, liebe Kanalisationsbeauftragte,

ich habe eine Frage, die mir seit Studienzeiten unter den Nägeln brennt: Warum beginnt ihr (insbesondere gern zu Ferienzeiten, wo viele große und kleine Menschen gern mal eine Runde ausschlafen) pünktlich um 6 Uhr mit eurer akustisch nicht zu toppenden Arbeit (als da wären Laubgebläse, Reinigung der Bürgersteige, Abschneiden quadratzentimeterkleiner Rasenstücke mit dem Kantenschneider, Bagger- und Kanalarbeiten, Baumfäll- und Beschneidungsaktionen), um spätestens 20 Minuten später (der Schnitt liegt bei 15 Minuten), wenn alle Menschen wach sind, ihre Vorhänge und Jalousien geöffnet haben und verschlafen auf die Straße blicken, in Ruhe und voller Genugtuung genüsslich euer Frühstück in euren Arbeitsbullis, Kleinlastern und Gemeindeautos einzunehmen? Frühstückt doch einfach erst eine Stunde lang und fangt dann an mit dem Getöse. Ich pack doch auch nicht direkt nach dem Unterrichtseinstieg meine Stulle aus …

nomen est omen?

Der Kindergarten der beiden Mädchen pausiert – sechs Wochen lang. Weil ich nicht sechs Wochen im süßen Nichtstun schwelgen kann, besuchen die beiden Jüngeren zwei Wochen lang den „Vertretungs“-Kindergarten in einem sozial heterogenen Wohnviertel (unser eigener Kindergarten liegt völlig außerhalb der Zivilisation – mitten in Feld und Flur, unser persönliches Bullerbü).

Die Erzieherinnen im Vertretungskindergarten haben hohe Ansprüche an ihre Arbeit, der Laden läuft (mehrsprachig) hervorragend, und das pädagogische wie edukative Programm ist beeindruckend. Eben laminierte eine Erzieherin die Namensschilder der neuen Kinder und beklebte die Garderobenhaken neu. Beim Blick auf zwei nebeneinander angebrachte Namen konnte ich mir ein Lachen nicht verbeißen. Künftig sitzt Kyrill beim Anziehen der Hausschuhe und Gummistiefel neben Attila. Ob das gut geht?

Wie heil muss die (Kinder)welt sein?

Eben stieß ich bei meiner Blogrunde auf diesen Blogeintrag von mama-arbeitet.de. Weil ich zu ausufernden Kommentaren neige, schreibe ich lieber einen eigenen Artikel zu diesem Thema, das mir schon länger unter den Nägeln brennt: Die heile Welt im Kinder(bilder)buch. Mama, Papa und zwei Kinder. Und, im Falle von Conny mit der Schleife im Haar, auch noch ein Kater. Mama steht oft mit Schürze (und Stöckelschuh) am Herd, bringt die Kinder in den Kindergarten und holt sie ab, schaut die Hausaufgaben durch, misst Fieber, kocht Tee und arbeitet maximal bis um 12 Uhr am Mittag. Papa ist fürs Außergewöhnliche da, die Wochenendausflüge, den Besuch im Zoo, das Verkosten der von Mama mit Kind gebackenen Kekse. In Musterbilderbüchern kommen auch gern wunderbare Großeltern vor, die geduldig lächeln, Kuchen backen, stundenlang Märchen vorlesen und dem Kind die schönsten Sommerferien der Welt ermöglichen. Ein Kind, das anders aufwächst, könnte den Eindruck gewinnen, sein Leben sei unnormal. Um vorzubeugen: ich habe nichts gegen Bullerbü. Absolut nichts. Ich liebe die Bücher Lindgrens und habe ein paar der alten Filme auf dem Flohmarkt erworben. Aber die Lindgren-Welt ist eine Gegenwelt von Kindern für Kinder, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Und Pippi lebt allein. Die Freiheit, die die Kinder auf Bullerbü genießen, wünsche ich beim Spielen allen Kindern – ohne „Pass auf, da rast wieder ein Motorrad durch die Spielstraße“ oder „Sag dem Nachbarn, der sich beschwert, dass ihr auf der Wiese hinter seinem Riesengarten so laut seid, einen schönen Gruß von mir, ihr DÜRFT das!“ Was ich nicht mag, ist das Einzementieren der Idylle als Normalzustand. Oder, wie die Mutter aus „Lauras Stern“ am Abend zur Tochter sagt, die sich ums Geld sorgt: „Uns kann so etwas nie passieren. Wir haben einen sicheren Job und werden immer genug Geld haben!“ Warum machen Bücher für Kinder oft so einen großen Bogen um Probleme, die die Kinder ja durchaus wahrnehmen? In welchem Bilderbuch beziehen Eltern Hartz IV? Wo ist die Oma Alkoholikerin, der Opa vielleicht psychisch krank, der Vater abwesend, die Mutter ganztägig berufstätig und abends so müde, dass sie nicht mehr „piep“ sagen kann? Aber, so mag man sagen, muss man denn die armen Kinder mit so etwas belasten? Haben sie nicht früh genug damit zu tun? Gönn ihnen doch die sorgenfreien Kinderjahre. Nur, erinnert euch mal, waren eure Kinderjahre sorgenfrei? Welches Kind hat nicht mit Menschen zu tun, die Probleme mit sich herumtragen, einfach weil es normal und menschlich ist, nicht wie ein Roboter zu funktionieren. Ja, Eltern können das in den meisten Fällen liebevoll, geduldig und mit eigenen Worten erklären. Aber ehrlich, warum darf es nicht auch mal ein Buch dazu sein? Und zwar eines, das sich nicht darauf beschränkt, das Elend zu bejammern und zu wehklagen, sondern Literatur, die sagt „Das gibt es. So sieht es aus. Es passiert manchmal. Und das ist der Weg des/der Protagonisten, damit umzugehen. Und schau, manchmal kann man sogar darüber lachen. Sollte man vielleicht auch. Sogar mehr als einmal.“

Eine kurze Liste der außergewöhnlichen, anderen Kinder(bilder)bücher, die mir in den letzten Jahren in die Hände gefallen sind:

– „Abschied von Rune“ von Marit Kaldhol – der Freund stirbt beim gemeinsamen Bootfahren und ein Mädchen muss mit dem Tod fertigwerden (aus aktuellem Anlass: Auch Kinder können sterben 🙁 )

– „Irgendwie anders“ von Kathryn Cave – eine Geschichte über einen Außenseiter, der aufgrund seines Andersseins einen Freund findet. Fundamentale Erkenntnis: es müssen nicht alle Menschen gleich sein.

– „Ein mittelschönes Leben“ von Kirsten Boie – ein Kinderbuch über Obdachlosigkeit, das sozialen Abstieg aufgrund von familiären und beruflichen Problemen begreiflich macht. Die Würde des Menschen ist unverletzlich.

– „Josefine findet heute alles doof“, „Josefine will nicht schlafen gehen“ u.a. von Tove Appelgren. Keine außergewöhnlichen Situationen, dafür Alltag pur. Eine genervte Mutter mit Augenringen wie ein Pandabär, trotzige Kinder und eine unaufgeräumte Wohnung. Muss man in deutschen Bilderbüchern lange suchen.

– „‚Oma!“, schreit der Frieder“ von Gudrun Mebs. Frieder lebt mit seiner granteligen Oma (übrigens ganz ohne Bilderbuchfamilie) und erlebt mit ihr interessante Alltagssituationen.

 

Der Neunjährige liest zur Zeit:

– „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ und die Fortsetzungsbände von Andreas Steinhöfel. Die Detektivgeschichten rund um den hochbegabten Oskar und den tiefbegabten Rico sind präzise Milieustudien, und nein, keine heile Welt. Ricos Mutter ist alleinerziehend und arbeitet in einem Nachtclub. Und es gibt eine Menge schräger Berliner Typen. Und auch hier gilt: Die Würde des Menschen wird nicht verletzt.

– „Der Hund, der unterwegs zu einem Stern war“ von Henning Mankell. Joel lebt allein mit Papa Samuel (die Mama ist irgendwann einfach gegangen) in einem Dorf in Nordschweden. Auf seinen heimlichen nächtlichen Entdeckungsreisen begegnet er Außenseitern, die ihn auf seinem Weg zum Erwachsenwerden begleiten.

– „Was verbindet die Welt?“ von Brigitte Labbé und Michel Puech. Keine Fiktion, sondern ein Sachbuch für Kinder über Fragen der Ethik. Angefangen bei Rollenbildern von Mädchen und Jungen über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit bis hin zu Gewalt, Krieg und Frieden. Völlig unprätentiös, bodenständig und schnörkellos.

Disclaimer: Abends sehe ich selten fern. Wenn ich einen typisch deutschen Fernsehfilm anschaue (und dazu zähle ich auch den „Tatort“), so leben die Menschen entweder in völlig durchdesignten Villen mit Riesengärten, Putzkraft und Gärtner (und bevor der Held die Heldin küsst, muss erst noch das hauseigene Gestüt gerettet werden) oder aber in völlig desolaten Familienverhältnissen, bei denen man sich fragt, warum sich nicht alle längst selbst oder gegenseitig erschossen haben. Selten wird mit Leichtigkeit erzählt wie in „Billy Elliot“, „Ganz oder gar nicht“ oder „Calendar Girls“. Lachen ist in deutschen Problemfilmen verboten.

Wenn es denn so idyllisch wäre, dieses Deutschland. Wenn alle Menschen Arbeit hätten und in glücklichen Beziehungen lebten. Niemand unter psychischen Störungen litte, Jugendkriminalität und Armut kein Thema wären …  –  Warum also so viel Idylle?

 

Formularwahn

Ich stelle fest, ich schreibe lieber einen Aufsatz über konstruktivistische Ansätze in der Vermittlung von Literatur in der Sek. II als Beihilfeanträge auszufüllen. Vermutlich wäre ich mit dem Aufsatz auch schneller fertig. Auch 20 Klausuren wären schneller korrigiert. Antrag A lang, Antrag B kurz, dazu weitere Formblätter für die Kinder. Und nach dem Ausfüllen und ordnungsgemäßen Abspeichern aller Formulare stellt man fest, dass sich alle Anträge nicht ausdrucken lassen – ein noch unbekannter Fehler des Typs DDT bringt Firefox, IE, den Adobe Acrobat Reader und Word (wohin ich in meiner Verzweiflung das Dokument konvertiert hatte … ) zum Absturz. Nicht nur bei mir, sondern auch bei allen möglichen Testpersonen in meiner Umgebung. Fein. Ein Anruf in der Beihilfestelle brachte folgende Erkenntnis:

a) Vor einem Jahr funktionierte das noch mit dem Ausdrucken und

b) Ja, stimmt, es sind schon länger keine Anträge mehr hier eingegangen.

c) Das macht aber alles nix. Man kann das Formular auch per Post schicken.

Ähm ja, kann man, aber wer fixt denn nun den Bug?

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