Quadrat im Kreis

just an ordinary life

Monat: November 2012 (Seite 1 von 2)

Lieber Schornsteinfeger,

lieber Stadtwerke-Mitarbeiter,

lieber Kanaldichtigkeits-Überprüfer,

lieber GLS-Paketbote,

liebe Stadt,

all ihr lieben Menschen, die ihr bei uns zu Hause gewohnheitsmäßig zwischen acht und zehn Uhr morgens klingelt: Da arbeiten auch wir. Mich stört auch nicht das Klingeln, eher diese Zettel, die danach an den Haustüren kleben, ganz im Stil von

Warum sind Sie morgens nie zu Hause? (früher war alles viel besser, als Mutti noch die Rouladen kochte und Zeit für ein Pläuschchen mit dem Schornsteinfeger hatte) Wenn Sie es auch beim nächsten Termin nicht auf die Reihe kriegen, morgens zu Hause zu sein und uns Tür und Keller zu öffnen, können wir Ihnen auch nicht mehr helfen (und drohen jetzt schon mal damit, Ihnen demnächst überteuerte Durchschnittssätze für Gas, Strom und Wasser abzubuchen und den Zugang zur Heizung mit Sondertruppen der Polizei freizuschießen).

(vielleicht interpretiere ich in diese Klagezettel an meiner Haustür aber einfach auch nur zu negativ …)

Ach ja, und weiterhin, liebe Stadt, da ja bald wieder Räumungspflicht herrscht: wie bitte soll ich bei Schneefall dafür sorgen, dass regelmäßig der Bürgersteig gefegt wird, wie in der entsprechenden Satzung steht? In jeder großen Pause zurückkehren und den Besen schwingen? Einen ganztägig beschäftigten Hausmeister einstellen?

Vielleicht zahlt die Bundesregierung ja auch kostengünstige Platzhalter für Eltern, die einem Beruf nachgehen. Einzige Qualifikation: eine Türklinke und einen Schneeschieber bedienen und unterschreiben können. Notfalls gehts auch ohne.

An einem Tag …

… an dem man denkt, dünner geht die Haut nicht,

… an dem man das Gefühl hat, dass viele Köche den Unterrichtsentwurf für den letzten Besuch zu Brei verkochen,

… an dem die Kinder noch lauter als sonst zu streiten scheinen,

… an dem das Auto seinen Exitus anmeldet,

… an dem die noch nicht auskurierte Erkältung Gastroenteritisviren Platz macht,

hilft es manchmal enorm,

… das abendliche Weihnachts-(Tanz-)konzert der eigenen Kinder zu genießen und fünf Minuten alles zu vergessen,

… Schokolade zu essen,

… das Herz abzufotografieren, das heute in meiner Lieblingssieben an der Tafel stand, und mittendrin: „I love Geschichte!“

… sich vor Augen zu halten, dass nach dem Winter der Frühling kommt,

… den Rechner auszuschalten. Jetzt.

Jetzt schnell schwanger werden!

Und von haarsträubenden Wahlgeschenken der Regierung profitieren! Frau Kreis ist einigermaßen irritiert und fragt:

a) Haben berufstätige Mütter (und Väter) älterer Kinder keinen Haushalt? (ganz im Gegenteil: wer schon einmal gesehen hat, welche Dreckspuren Ü18-Monatskinder hinterlassen können, wird abgeklärt auflachen)

b) Können wir bitte endlich einmal anfangen, Kindergärten und Schulen adäquat auszustatten, statt dafür zu sorgen, dass der Fußboden von Kleinkindmüttern lupenrein sauber ist? Ja, wäre berufstätigen Müttern nicht mehr geholfen, wenn sie einen zuverlässigen Kitaplatz hätten statt einer Reinigungskraft?

c) Glaubt irgendjemand ernsthaft, die Geburtenrate oder die Motivation zum Wiedereinstieg in den Beruf ließe sich durch Putzfrauen steigern?

Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen! (und ich schließe mich der Frage von Frau Vierachtel an: Kann man irgendwo problemlos zum nächsten Monatsersten seinen Politikanbieter wechseln?)

 

Und sonst so?

Während ich eigentlich arbeiten sollte und die Wochen bis zur Prüfung in Lichtgeschwindigkeit schrumpfen, habe ich

a) ein Plätzchenbackbuch gekauft,

b) Urlaub für den nächsten Frühling gebucht,

c) Oreo-Cupcakes nach diesem bezaubernden Rezept gebacken,

d) die Badewanne mit Zimt-Orangen-Badewasser gefüllt und

e) gebloggt.

Man könnte es Verdrängung nennen. Ich nenne es Rüstzeit.

Kann mal bitte jemand …

… diese Schraubzwingen um meinen Kopf entfernen und meine Nase lüften? Dicke Erkältungen und viel Arbeit vertragen sich nicht sonderlich gut miteinander 🙁 …

Dreizehn

ist ein ein wildes Alter. Stelle ich nach einem Jahr Arbeit mit Dreizehnjährigen fest. (natürlich arbeite ich nicht nur mit Dreizehnjährigen, sondern mit Zehn- bis Neunzehnjährigen, aber Dreizehnjährige sind besonders faszinierend)

Mit dreizehn Jahren:

– schmettert man im Klassenverband anlässlich eines Geburtstags laut „Wie schön, dass du geboren bist“ und klatscht dazu, um nach der Hälfte des Liedes besorgt nach links und rechts zu schauen, ob die anderen das auch nicht peinlich finden könnten.

– kann man während der Stunde sein Makeup selbstverliebt im OHP betrachten und fünf Minuten später mit der besten Freundin Sticker austauschen.

– belehrt man Marcel in der letzten Bank darüber, dass Hamburger fürchterlich ungesunde Kalorienbomben seien, um wenig später zu fragen, ob Frau Kreis spätestens nach der Prüfung endlich wieder diese Chocolate Chip Cookies (Frau Barcomi lässt grüßen) backen könne.

– ist man moralisch zutiefst empört darüber, dass in der Frühen Neuzeit Menschen als Hexen verfolgt wurden und schreit wenig später: „Iiih nein, mit der will ich aber nicht zusammenarbeiten!“

– nutzt man kreative Schreibaufträge in Vertretungsstunden, um mit den Helden aus seiner Kindheit, an denen man doch noch irgendwie hängt, mal so richtig abzurechnen. Kostprobe gefällig? „Ich saß vor dem Fernseher. Plötzlich klingelte es. Vor der Tür stand Kalle Blomquist. Er sah mager aus. Hinter ihm schwang Pippi Langstrumpf die Motorsäge. Sie sagte, meine Sneakers sähen voll unstylish aus, nahm die Motorsäge und sägte die Schnürsenkel durch. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, und lud die beiden ein, ins Wohnzimmer zu kommen. Dort saß schon Lady Gaga am Kamin und lackierte ihre Fußnägel.“

– weint man, weil man unglücklich verliebt ist und strahlt über die komplette Zahnspange, wenn der Blickwechsel dann doch funktioniert.

– liegen zwischen Kindheit, Erwachsenwerden, Reife und Orientierungslosigkeit nur dünne Blätter Pergamentpapier.

Ich sehe da in einigen Jahren im privaten Bereich interessante Herausforderungen auf mich zukommen :-).

Ob ich noch bin?

Der Kurierdienst mit dem Götternamen hat offenbar bekiffte Fahrer mit einem besonderen Sinn für Humor. Meine lange erwarteten Gummistiefel standen heute im Paket neben der Garage (warum nicht geklingelt wurde, ist mir ein Rätsel), aber noch rätselhafter war der Zettel, der auf dem Paket klebte. Angekreuzt war „Paket konnte nicht zugestellt werden, da Empfänger verzogen oder verstorben.“ Ist es erlaubt, sich ein wenig unwirklich zu fühlen?

Und weiter im Hamsterrad

06 Uhr: Aufstehen, Ankleiden, Kindlein ankleiden, Frühstücksbrot(e) schmieren.

07 Uhr: Fahrt zur Schule, Stau am Kopierer, Kopiergerät defekt

08 -13 Uhr: Unterricht

13-14 Uhr: Fahrt nach Hause

14-16 Uhr: Unterrichtsvorbereitung und Hausaufgabenbetreuung für die beiden großen Kinder

16 Uhr: Kleines Kind aus dem Kindergarten holen

16.15 Uhr: Nachmittagssnack

16.30-18.30 Uhr: Haushaltsmarathon: Wäsche waschen, aufhängen, wegräumen, Spülmaschine einräumen, ausräumen, Fußböden reinigen, nebenbei Kinder bei Laune halten, Bastelscheren suchen, Klebstoff von Tischdecken entfernen und Kaugummis aus Haaren. Gefühlte 1000 Zettel für Schule und Kindergarten durchlesen, ankreuzen und unterschreiben.

18.30-19 Uhr: Essen kochen

19 Uhr: Abendessen

20 Uhr: Die Süßen ins Bett bringen

20.15 bis 22 Uhr: Unterrichtsvorbereitung

22-23 Uhr: FREIZEIT!

Banale Erkenntnis der letzten Woche: wenn ich mir keine Pause nehme, habe ich keine.

Von Kommunikationssträngen und -ebenen

Watzlawick, Schulz von Thun und anderen Kommunikationstheoretikern verdanken wir die Einsicht, dass Kommunikation ein komplexes Unterfangen ist und ein- und dieselbe Botschaft je nach Ausgangssituation von Sender und Empfänger völlig andere Wirkung haben kann. Kommunikationsprobleme entstehen dann, wenn Menschen auf unterschiedlichen Ebenen miteinander kommunizieren und das nicht kennzeichnen, oder aber, wenn sie in Großfamilien leben. Drei redselige Kinder und zwei kommunikationsfreudige Erwachsene produzieren in Summe bei vielen Familienmahlzeiten einen Kommunikationskauderwelsch, an dem Linguisten ihre wahre Freude hätten, vorausgesetzt, sie können die einzelnen Stränge identifizieren.

Es folgen einige Beispiele:

Der Mann zählt am Frühstückstisch mögliche Geschenke für den Großvatergeburtstag auf. Unter anderem nennt er einen Lavastein. Da Frau Kreis nur mit einem Ohr in dieser Unterhaltung weilt und das andere Ohr dem Sohn schenkt, der gerade unfein „Laber laber“ auf die Ausführungen seiner kleinen Schwester antwortet, versteht sie „Laberstein“ und überlegt, was um alles in der Welt ein Laberstein sein soll. So etwas wie die Klagemauer in klein? Oder ein Gesprächsstein, wie sie ihn in den unteren Klassen manchmal verwendet? Dank Ipad konnte das Missverständnis wenig später aus der Welt geräumt werden.

Der Mann macht Rührei, die Tochter erzählt dabei, dass die andere Oma immer Mehl ins Rührei rührt. Parallel dazu ruft der Sohn „Kannst du mir mal das Kaffeepulver geben?“ Natürlich versteht Frau Kreis, die Oma rühre Kaffeepulver ins Rührei und fragt wenig später am Telefon, ob die Schwiegermutter ihr dieses interessante Rezept verraten könne.

Frau Kreis diktiert dem Mann die Zubereitung des Abendessens und erzählt parallel dazu dem Kind, dass die Hälfte des Tornisterinhalts (also all diese verknickten, versifften Schmierblätter, die verschrumpelten Kastanien u.ä.) weggeworfen werden könne. Der Mann hört zu, bereitet den Mangold später fachgerecht zu und wirft die Hälfte des Mangolds, also diese riesigen grünen Blätter („ich dachte, das sei Abfall, und du sagtest ja, die Hälfte kann man wegwerfen“) in die Komposttonne.

Vielleicht sollten wir für die wirklich wichtigen Dinge auf Twitter umsteigen …

 

Automodelle aka Kind

VW Sharon – wie die Frucht, und VW Tyrann – wie Menschen, die ihr Land mit Gewalt regieren. (Eselsbrücken haben einen Anfang UND ein Ende) 😉 …

 

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