Quadrat im Kreis

just an ordinary life

Month: März 2013

Amselkinder

Seit ein paar Jahren teilen wir Haus und Garten mit einer sehr liebenswürdigen Amseldynastie. Alles fing damit an, dass die Kinder die Nester der Amseln schützten wie die Schweizer Leibgarde den Papst. (blöder Vergleich, mir fällt aber gerade kein anderer ein) Im letzten Frühling dann fiel ein Amselkind aus dem Nest, das wir den Eltern vorsichtig zurückbrachten. Leider haben nur zwei der drei Amselkinder überlebt, allerdings sind diese ungemein anhänglich. Im Sommer schauten sie aus 2 m Entfernung beim Grillen zu, hüpften beim Eisessen mit auf die Decke, und jetzt, im Winter, kommen sie täglich mit diversen älteren Amseln am Futterplatz vorbei. Im Glauben, der Winter sei vorüber, habe ich irgendwann kein neues Futter gestreut. Seit gestern liegt hier aber wieder eine geschlossene Schneedecke. Während ich nachmittags mit den Kindern am Tisch saß und Apfelkuchen futterte, klopfte es ans Wohnzimmerfenster. Amselkind (oder besser Amsel-Teenie) Nummer 1 saß vor dem Fenster, ruderte mit den Flügeln, pickte gegen die Scheibe und hüpfte aufgeregt hin und her. Erst, als der Sohn eine Handvoll Futter zur Futterstätte brachte, war Ruhe im Karton. Demnächst also unter „Haustiere“ in diversen Freundebüchern mal was ganz Neues: Amseln. (nur die Namen fehlen uns noch …)

Nachtrag zum „Abendlied“

Frau Kreis hat gerade etwas Luft. Nicht wörtlich, denn die Nase ist zu und der Brustkorb scheppert, aber doch zeitlich. Und so liest sie sich durch die Bloglandschaft. An vielen Stellen erfreut, zustimmend nickend, kichernd – aber manchmal auch mit gehöriger Irritation. Viele Frauen- und Mütterblogs beschreiten in Worten und/oder Taten den Weg zu mehr Natur, Nachhaltigkeit und Gelassenheit. In vielen Dingen finde ich mich wieder. Wir backen unser Brot und unseren Kuchen selbst, kochen weitgehend ohne Fertigprodukte und beziehen unsere Nahrungsmittel aus der Region. Dank geeigneter Kochbücher kann man den Winter hindurch auch mit Gemüse und eingelagertem Obst aus der Region ohne Skorbut überleben. Durch die Lieferung der Obst-/Gemüse-/Milch-Kiste entfällt sogar die Fahrt zum Großmarkt häufig. Wir fahren nicht 4x im Jahr in den Urlaub, und meist bleiben wir innerhalb eines Radius von 300 km. Kleidung wird vom größten zum kleinsten Kind weitergereicht, wenn sie sich nicht vorher in Fetzen auflöst. Wegen sorgfältiger Auswahl unserer Ärzte müssen wir nicht befürchten, unnötig mit Antibiotika und Röntgenstrahlung konfrontiert zu werden; im Großen und Ganzen ist unser ökologischer Fußabdruck vermutlich vertretbar. Ich habe eben beim Laufen darüber nachgedacht, warum mich trotzdem beim Lesen mancher Einträge ein Unbehagen befällt. Vielleicht ist es die Radikalität, die mich aus manchen Beiträgen anspringt. Weil ich sie nicht teilen kann und will. Nein, ich schlucke nicht willenlos jede Pille, aber ja, ich war sehr dankbar für das entkrampfende Medikament, das meine Tochter vom minutenlangen Fieberkrampf befreite. Und ich habe mich auch nicht dagegen gewehrt, dass ich nach tagelangem Dauerspucken in der Schwangerschaft an einen Tropf mit Plastikbeutel gehängt wurde. Die Plastikbrotdosen im Küchenschrank sortiere ich nicht aus, sondern nutze sie, bis sie zerbrechen. Meine Kinder tragen im Wald und auf der Wiese bei diesem Wetter Gummistiefel und Schneeanzüge. Ich webe meine Kleidung nicht selbst, sondern kaufe sie, bewusster als früher, aber ich kaufe sie immer noch. Ja, und ich töne ab und an meine Haare. Oft mit Henna, manchmal aber auch mit chemischen Substanzen. Vielleicht bin ich auch irritiert, weil an mancher Stelle mütterlicherseits die Rückkehr zur Natur gepredigt wird, der verdienende Partner aber im Rahmen seines Jobs einen Business-Trip nach dem anderen unternimmt, oftmals als Kurzstreckenflug. Auch irritierend finde ich, dass das Nähen mit günstig bei I.KEA erworbenen Stoffen aus Indien und Bangladesch ökologische Implikationen haben soll. Wenn alle Menschen ins Grüne zögen und ihr Gemüse selbst anbauten, wäre das ökologisch ebenso fragwürdig wie der Bau von Biogasanlagen zum Zweck der Verheizung von Nahrungsmitteln. Ich lebe im 21. Jahrhundert – mitten in Deutschland. Auf viele komplexe Fragen gibt es keine einfachen Antworten, sondern nur Wahlmöglichkeiten. Um diese überhaupt zu erkennen, muss man sich informieren, und man muss abwägen, im Sinne seines eigenen Wertekanons. Und die meisten von uns (die ohne Management-Versorgerpapa und die Nicht-Berufserben) müssen das Entscheiden und Abwägen oft in Zeitnot, zwischen Suppe und Kartoffeln, Berufstätigkeit und Kinderbetreuung betreiben. Klar ist es einfacher, die Fertigpizza in den Einkaufskorb zu legen als Mehl, Hefe, Tomaten – und dann noch für Parmesan anstehen, oh nein, und außerdem ist heute noch Elternabend. Mist. Und ich bewundere unsere Kitaleiterin, wenn sie zum gefühlt hundertsten Mal neue Porzellanbecher kauft, statt Melamin zu wählen. Für ihre Geduld, das beim Träger zu rechtfertigen, und ihre Dickfelligkeit gegenüber den Erzieherinnen, die meinen, so langsam seien doch mal Plastikbecher angemessen, zumal die Kinder immer jünger würden. Nur: wo lernt man Informieren, Abwägen und Entscheiden?

Und da sind wir plötzlich in der Schule, wo man all diese Dinge durchspielen kann, ohne dass der ganze Ernst mit voller Wucht zuschlagen kann. Schule sollte befähigen, eine Position zu entwickeln und auf der Basis dieser Position Entscheidungen zu treffen. Begründet. (natürlich sollte das auch das Elternhaus, aber Eltern = meist ideologisch verbrämt, bis zur Pubertät ungebrochene Rollenvorbilder, danach häufig in Ablehnung dieser Rollenvorbilder komplett kontroverses Verhalten, also nicht unbeschränkt empfehlenswert). Ich lese gerade die Portfolios meiner letzten Zehn. Besonders berührt hat mich dieser Satz: „Am schönsten an der ganzen Reihe war eigentlich, dass wir nicht irgendwie sein und irgend etwas meinen sollten, sondern selbst viel denken mussten.“ Vielleicht will ich das. Nicht irgendetwas sein, aber viel denken müssen. Und manchmal im Sinne der viel gescholtenen Aufklärung auch feststellen, dass die Zivilisation Vorteile hat, von denen wir täglich profitieren.

Nicht päpstlich

Frau Kreis bekennt jetzt und hiermit,

– sich die Haare zu tönen,

– zur Arbeit getönte Tagescreme aufzutragen,

– sich die Beine zu rasieren,

– manchmal mit Wonne eine eiskalte Cola zu trinken und einen dicken Döner dazu zu verdrücken,

– an schlimmen Tagen die Ausmaße der Babyklappen der Umgebung zu sondieren, nur um festzustellen, dass sie allesamt zu klein sind,

–  auch mal an Gott und dem Sinn des gesamten Daseins zu zweifeln,

– Waschmaschinen, Putz- und Spüldienstverweigerung gern in den Katalog der Menschenrechte aufnehmen zu wollen,

– launische Phasen zu haben.

 

Frau Kreis hat dennoch das große Ziel, ihr Leben

– im Einklang mit sich und der Natur,

– in der Gleichberechtigung von Mann und Frau,

– in Liebe zu ihrer Familie, Gott und der Welt zu leben.

Frau Kreis ist ein demütiger, fehlbarer und auf keinem Gebiet 100% korrekter Mensch. Sie mag wegen genau dieser Widersprüche folgende Strophen des Abendliedes von Matthias Claudius ungemein gern:

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Von der Alltagsuntauglichkeit des Barbie-Daseins

Ich mag Barbies nicht. Auch wenn sie vielleicht nicht mehr ganz so dünn sind wie noch vor fünf Jahren. Ihre Makellosigkeit k.otzt mich an, und ihre Plastikhärte bricht mir das Herz. Das große Tochterkind konnte sechs Jahre lang ohne Barbie sehr gut überleben. Wohlmeinende Menschen haben uns aus Angst vor sozialer Segregation vor Kurzem eine Barbie samt Barbie-Fiat geschenkt. Meist steht die Langbeinige in irgendeiner Kinderzimmerecke, aber die lange, kalte Winterzeit führte dazu, dass die Tussi dann doch hervorgekramt wurde. Und nach einer halben Stunde in den Keller gestellt (sicher friert sie dort mit ihren Shorts …). Der Sohn erklärte mir dazu umständlich, dass die Barbie mit ihren langen Beinen gar nicht gescheit in ihrem Fiat fahren könne, weil sie beständig das Gaspedal durchdrücke, egal, wie sehr man die Knie knicke – und die Tochter ergänzte: über den großen B.us.en passe kein Sicherheitsgurt. Und unangeschnallt und mit Vollgas solle man nun mal nicht mit dem schönen Fiat durch die Gegend rasen. Welch ein Trost für Frauen und Männer mit Normalfigur – sie sind wesentlich weniger unfallgefährdet als Barbie. (und schöner noch dazu!)

Kränk

Nach eineinhalb Jahren Absenz jeglicher Krankheit haben die Viren nach einer Woche Praktikum (keine Sorge, meine Studienordnung sieht das vor, ich strebe keinen beruflichen Wechsel an) an der Grundschule und ganz vielen zauberhaften Kindern mit Körperkontakt massiv zugeschlagen. Halsentzündung, Schnupfen, Kopfweh, Ohrweh und Fieber. Jede Bildungseinrichtung hat offenbar ihre eigenen Virenstämme … Ich sehe aber gerade das Gute am Kranksein: Ich muss einfach mal auf dem Sofa oder im Bett liegen, und weil ich mich so matschig fühle, kann ich mich weder ärgern noch aufregen über all die scheinbaren Misslichkeiten des Alltags. Virale Meditation sozusagen …

Familie 2.0

Es gibt Aktionen, bei denen könnte ich jede Zeile einzeln unterschreiben. Diese zum Beispiel.

Familie 2.0

Dünnhäutig

die Frau Kreis derzeit. Mag wohl auch daran liegen, dass sie Schulter hat. Richtig fies. Eine Muskelverkürzung, die sie sich wohl über die Monate des Schreibtischbebrütens zugezogen hat und die trotz aller möglicher Maßnahmen (Sport, Chiropraktiker, Wärme) sehr hartnäckig ist. Schmerzen also. Dazu die Stellensituation. Da kann es schon einmal passieren, dass Frau Kreis zu heulen beginnt, wenn der Mann sagt: „Dem Headhunter am Telefon habe ich gesagt, du seist Hausfrau!“ (huhuhuhu …). Und heute musste ich das Lehrerzimmer verlassen. Die wenig feinfühlige Kollegin sprach: „Wenn du ab Mai eine Stelle suchst: Wir brauchen eine Putzfrau.“ Frau Kreis, die normalerweise ein dickes Fell hat, ein sehr dickes, lief türenknallend hinaus. Alles nicht so lustig derzeit. Aber ich gebe mir Mühe, die Mundwinkel nicht auf die Schultern sacken zu lassen. Schließlich gab es zwei Tage Sonnenschein vor dem nächsten Schnee.

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