Quadrat im Kreis

just an ordinary life

Monat: Mai 2013

Frau Kreis goes Graffiti

Heute bin ich über diese Werbung gestolpert:

Foto-1

Mein spontaner Impuls war es, die Headline mithilfe einer qualifizierten Sprayerin durch etwas anderes zu ersetzen, etwa

Altersarmut-Bedrohte

Nach-der-Scheidung-Alleinerziehende und Hartz-IV-Aufstockerin

Niedriglohnempfängerin

Beiwerk und Rückenfreihalterin für den Mann

Pikant auch, dass die Beworbene 49 ist und seit 9 Jahren beim REWE arbeitet, sicher hat sie nach ihrer Familienpause dort angefangen, und es weiß ja jedes Kind, wie schwer es für Frauen über 40 ist, noch einmal einen qualifizierten Job zu finden. Danke, RE.WE, du meinst es so gut mit uns Frauen. Rege ich mich gerade eigentlich zu sehr auf?

Scheißduden …

… tönt es bei der Arbeit aus der vorletzten Bank. Steht ja gar nix drin, nicht mal, wie man „ohnmächtig“ schreibt. Frau Kreis schaut dem sich Beklagenden über die Schulter. Aufgeschlagen liegt der Duden beim Buchstaben U.

(Dummerweise kann der Duden weder PHP noch Java und antwortet auch nicht mit „meinten Sie vielleicht …“.)

„Voll anstrengend bei Ihnen, ey …

..abba macht Spasss.“ Fazit nach Woche 1 im Vertretungsjob. Nicht meines, sondern das einer allerliebst-entzückenden Achtklässlerin. An dieser Schule tragen die Kinder ihr Herz auf der Zunge. Eine Gesamtschule ist kein Gymnasium. Das ist nicht schlimm, tragisch oder beunruhigend, nur anders. Ich stehe, erziehe und staune. Über wunderbare Oberstufenkurse, lustlose Zehntklässler, wilde Siebtklässler, über Offenheit, den Umgang mit ADHS, über Eltern, die ihre Kinder aufgegeben haben und Kinder, die es trotzdem schaffen – oder gerade deswegen. Erkenne manche Gemeinsamkeit mit meiner Kindheit. Ich lasse mich ein und warte, dass sich endlich mal was tut nach den Sommerferien. Zwischen schulischem Trubel und langzeitperspektivischer Lethargie. Komische Zeit das. Aber ich lebe mich durch den Tag, lerne und gehe weiter.

Atemlos

Der letzte Tag an der alten Schule. Am übernächsten Tag Arbeitsübergabe für die Vertretungsstelle. OP-Termin. Plötzlich Stellenausschreibungen, auf die ich mich bewerben kann. Ein schönes Schulbuchprojekt, an dem ich mitarbeite. Die Kinder. Der Haushalt. Das Leben. Wenig Zeit zum Innehalten. Aber das: fünf Minuten pro Tag im Rasen liegen, den tiefblauen Himmel und das satte Grün ringsum betrachten, die Sonne auf der Haut spüren. Voll. Das Leben derzeit. Aber gewollt.

© 2017 Quadrat im Kreis

Theme von Anders NorénHoch ↑