Quadrat im Kreis

just an ordinary life

Month: Oktober 2013

Ferien!

Bei Freunden brunchen, den zahlreichen Kindern beim Toben zuschauen, sich die Sonne auf die Nase scheinen lassen. Das Nichtstun guten Gewissens genießen. Ganz gelassen das Wochenende beenden, obwohl noch weitere 22 Hefte auf Korrektur warten (28 sind schon „durch“). Sich freuen über das, was da ist und auf das, was kommt. Whatever is – is right.

Warum ich unsere Kinderärztin so mag …

… und einen mittlerweile langen Fahrweg auf mich nehme, um zu ihr zu kommen. Mit allen Kindern zur Vorsorgeuntersuchung. Wir sitzen und reden. Ich bitte Sie, anhand ihrer Unterlagen zu bescheinigen, dass 2010 ein beschissenes Jahr war. Die Krankenakten sagen: Das Mittelkind hatte 2010 einen Paukenerguss nach dem nächsten, es gab Operationen, endlose HNO-Besuche, intensiv-logopädische Betreuung, Das Kleinkind hatte einen komplizierten Fieberkrampf, war danach alle eineinhalb Wochen nach Kitastart mit Infekt zu Hause, weil alle Beteiligten Angst hatten, das Ganze könne wieder passieren. Dem Mittelkind drohte die Sonderschule, weil niemand glaubte, dass sich ihre Sprachentwicklungsverzögerung bis zum Schulanfang beheben lasse – außer man übe täglich mehrere Stunden. Damals habe ich mein Referendariat abgebrochen. Ich konnte nicht mehr. Beim lückenlosen Nachweis meines Lebens auf dem Glasteller fragen Sachbearbeiter nun: „Warum haben Sie das nicht trotzdem geschafft? Da wäre doch Zeit gewesen.“

Die Kinderärztin schüttelt den Kopf. „Welch absurde Situation, in der Sie sich da befinden. Niemandem mit gesundem Menschenverstand müsste man eigentlich erläutern, warum man mit drei Kindergartenkindern, von denen zwei gesundheitlich arg angeschlagen sind, ohne Hilfe von außen keine 70-Stunden-Ausbildung machen kann. Sie waren doch ständig hier mit Ihren kranken Kindern und haben die Brut gehütet. Wenn Sie nun nach Amerika gefahren wären und gechillt hätten, das hätte man rechtfertigen müssen. Aber so?  LANGE PAUSE. Wobei es garantiert auch jeder Mutter gut tun würde und sie ein Recht darauf hätte, ein Jahr Auszeit in Amerika zu nehmen.“

(sagte ich, dass ich sie mag?)

 

Verliebt in …

… ein altes Haus. Vor fast zehn Jahren sind wir in diese quadratisch-praktisch-gute Doppelhaushälfte mit Gärtchen gezogen. Mit einem Säugling. Damals hatten wir genug Platz. Mittlerweile platzt das Haus aus allen Nähten, drei Kinder brauchen drei Schreibtische, drei große Betten, drei Kleiderschränke. Das Haus hat fast kein Zimmer ohne Dachschrägen. Mein Büro liegt unter dem Dach, ist im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt. Außerdem: wiederum Dachschrägen, darum liegt mein Unterrichtsmaterial thematisch geordnet auf dem Fußboden herum. Ich träume von Bücherregalen. Die Kinder blockieren morgens viel zu lange das einzige Bad im Haus. Luxusprobleme halt. Darum haben wir in der Vergangenheit immer mal wieder Häuser angeschaut. Nichts entsprach so recht unseren Vorstellungen. Entweder, das Haus war marode bis ins Mark (und wir nicht die geborenen Handwerker), zu teuer, zu klein, zu wenig Garten, Bundesstraße durchs Nachbargrundstück oder aber von oben bis unten scheußlichst vertäfelt, am besten mit dicken Bolzen, deren Entfernung das Haus zum Einsturz gebracht hätte – oft kamen wir nach Hause und waren dankbar für unsere Wohnumgebung. Plötzlich aber ergab es sich, dass wir in der letzten Woche vor einem Haus standen, das unserem Ideal so nahe kam, dass wir glaubten zu träumen: Sanierter Altbau mit drei großen Kinderzimmern, zwei Bädern, isoliertem Dachgeschoss, großem Garten (mit Apfelbäumen!)- direkt am Waldrand. Rehe und Kaninchen in greifbarer Nähe. Zwischen Küche und Wohnzimmer ein Kachelofen, der in der Küche als Backofen genutzt werden kann. Ein Keller für die Vorräte. Die Kinder können zu Fuß die weiterführende Schule erreichen, die Eltern ebenso die Kleinstadt mit Markt, Bibliothek und Co. Und der Preis ist akzeptabel. Im Haus wohnen freundliche ältere Herrschaften, die zu ihren Kindern nach Berlin ziehen wollen. Glücklicherweise ohne Faible für Eiche-Rustikal-Vertäfelungen und mit Sinn für Qualität. Nicht geldgeiferig, sondern nur daran interessiert, ihr Haus in gute Hände abzugeben. Unsere Kinder tätschelnd, ihnen verratend, wo man am besten rodeln kann und dass die Äpfel an Weihnachten am besten schmecken. Und nun sitzen wir – mit hochroten Wangen – rechnend, Panik schiebend, ob wir dieses Haus rechtzeitig verkaufen können, ob die Bank mitspielt, ob ob ob … Und daneben eine leise Vorfreude. Ganz sacht. Und auch Gewissheit, dass es womöglich unser Weg sein könnte. Ooooh ….

© 2017 Quadrat im Kreis

Theme by Anders NorenUp ↑