Quadrat im Kreis

just an ordinary life

Month: November 2013

Schnief …

Mit der Inklusionsklasse beim Berufsinformationstag, bei dem erwünscht war, dass die Jugendlichen selbst Hand anlegen. Und die Jungs und Mädels mal von einer völlig anderen Seite gesehen. Gerötet von der Arbeit an der Werkbank, vertieft in Cutter, Farben, Ablagesysteme und Feinheiten des Confiseriewesens. Gemerkt, dass sie erwachsen werden. Mich unbändig darüber gefreut, dass die Rollifahrerin souverän ganz allein auf dem Po die Treppe hinauf“gegangen“ ist, gestaunt darüber, dass sie nach der Arbeit ohne Bitten und Nachfragen die Räume und Arbeitsplätze gereinigt haben. Dass mittags Brote geteilt wurden und Tee herübergereicht. Man muss die Schule verlassen, um ein Stückchen größer zurückzukommen.

Kinobesuch

Und wie es sich für Lehrerinnen gehört, in einen Schulfilm. Aber völlig unpädagogisch. Fack ju Göhte. Sicherlich überzeichnet, aber ich bin überzeugt, da hatte jemand (ein klein wenig) Ahnung von der Materie.

Pausengespräche

Schüler A: „In drei Wochen werde ich endlich 18!“

Schüler B (seit einem halben Jahr 18): „Ach du, genieß die Zeit, in der du noch nicht erwachsen bist.“

Schüler A: „Warum?“

Schüler B: „Plötzlich bist du für alles verantwortlich. Und du merkst, wie schnell die Zeit vergeht und dass du alt wirst.“

(aus der Rubrik: jugendliche Altersweisheiten)

Vorweihnachtszauber

Am Nachmittag durch das leere Schulgebäude spazieren und hinter der einen oder anderen Klassenzimmertür Geigenklänge hören, dem Chor im Musikraum lauschen, der Weihnachtslieder übt, während die Sonne den Winterhimmel in Pastellfarben taucht. Erstaunt darüber, dass ein Gebäude vormittags wie ein Bienenstock und nachmittags wie eine Kirche klingen kann. Wochenende!

In dieser Woche …

… einen wichtigen Vertrag unterschrieben.

…  50 Eltern-Kind-Gespräche geführt (und danach die Stimme verloren).

… in einer Schule mit zehn Schülerinnen und Schülern hospitiert, die sich im Hinterhaus eines Bauernhofes befindet.

… Erdnuss-Schokoladen-Karamellkuchen gebacken.

… ein Kind, das ca. 20 cm gewachsen ist, nach einer einwöchigen Klassenfahrt wieder in Empfang genommen.

… den Wintermantel herausgekramt und angezogen.

… irgendwo einen neuen Virus aufgegabelt.

… drei Tage hintereinander 14 Stunden gearbeitet und beschlossen, dass ich das so nicht will (Weichei ich!).

… eine Kursfahrt nach Polen geplant.

… das Wochenende als arbeitsfrei deklariert.

… ausgiebig an allen Kindern geschnuppert.

… den Möbelschweden besucht und mit fast leeren Händen wieder verlassen (congratulations!)

… grobe Vorstellungen von der ersten selbst geplanten Küche meines Lebens entwickelt.

… angehalten, Luft geholt und weitergegangen.

So lange Vierzehnjährige …

… beim Lesen in sich hinein und aus sich heraus lachen und sich gegenseitig in der Pause ihre Lieblingstextstellen vorlesen, ist die Welt nicht ganz verloren (und man weiß, dass man die richtige Lektüre ausgesucht hat …).

„Alphabet“

Schön, wenn andere das eigene Unbehagen auf den Punkt bringen:

Eine Kritik der Wiwo an Erwin Wagenhofers neuem Dokumentarfilm „Alphabet“

Wagenhofers Film „We Feed the World“ hat mir weitaus besser gefallen, hier denke ich, dass das Kind im Zuge der filmischen Kritik am Bildungswesen mit dem Bade ausgeschüttet wird. Unterricht geht auch anders. Auch an Regelschulen.

 

Ein reiches Leben

– eine eigene Familie haben und dort Wärme und Geborgenheit geben und nehmen

– Lieben und geliebt werden

– die Stimmen der Kinder hören, die draußen spielen

– seit sechs Wochen von den Lageräpfeln des Opas zehren

– Birkenblätter im Herbstwind schauen

– im Beruf viel zu tun haben

– Einsichten fördern

– Erfüllende Momente erleben

– merken, dass der einzelne Schüler im Kollegium keine Nummer ist

– über Gott und die Welt nachdenken – und dabei völlig andere Perspektiven kennenlernen

– dieses unvergleichlich gute Freitagsgefühl genießen

– den Unterschied von An- und Entspannung bewusst wahrnehmen

– mit kleinen und großen Menschen lachen

– neue Rezepte für Kürbis, Steckrübe und Apfel ausprobieren

– vom Leben am Waldrand träumen

– im Nachmittagslicht eine Ahnung vom Winter erhalten

Am Freitag traf ich eine kinderlose Kollegin, die mit Impetus sagte: „Man muss sich schon für eines entscheiden. Kinder oder Beruf. Beides geht nicht.“ Mich macht das traurig. Ebenso die Aussagen, die ich in manchen Blogs, Kommentaren u.ä. lese, wo immer noch die gleichen Klischees von bettnässenden Kindern berufstätiger Mütter, vom ach so hektischen Alltag der doppelbelasteten Frau und ähnliche Mantren heruntergebetet werden. Warum? Aus Sorge um die Kinder fremder Menschen sicherlich nicht. Ich darf gute Momente, wunderbare Begegnungen, merkwürdige Dinge und manchen Ärger in meinem Beruf erleben, und ich darf Apfelkuchen backen, mit den Kindern über heimisch gewordene Luchse und den Winterspeck von Braunbären staunen, Marmelade einkochen, Roggen schroten, Multiperspektivität nahebringen, Scheinargumente entlarven und über das ökologische Bewusstsein in der Antike nachdenken. Ich darf zufrieden sein. Wenn auch alle anderen zufrieden sind mit ihren Lebensentwürfen – woraus resultiert das Beißen, diese stete Verteidigungs- und Rechtfertigungshaltung, der Unfriede mit dem Leben der anderen (von dem ich mich selbst nicht völlig freisprechen kann)?

 

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