Quadrat im Kreis

just an ordinary life

Month: Dezember 2013 (page 1 of 2)

Zum Niederknien: Lütticher Waffeln

Irgendwann habe ich in den Niederlanden Waffeln gegessen, die innen süß knusperten und nach „mehr“ riefen. Mit Kindern beim Konditor verkneift man sich dieses „mehr“ meist aus Kostengründen und fängt an, am heimischen Herd zu experimentieren. Nach diversen Versuchen mit Hefeteig-Rezepten von Barcomi und Lindholm stolperten wir im letzten Jahr über dieses Rezept in der Lecker (klick). Und siehe da: Es schmeckt. Genau so oder noch besser als beim Konditor in Leiden. Und so essen wir am Ende des Jahres statt Krapfen Lütticher Waffeln. So viele, bis wir alle satt sind. Bis zum Schafskäsefondue in zwei Stunden jedenfalls ;-).

Spruch in der Silvesternacht

Man soll das Jahr nicht mit Programmen
beladen wie ein krankes Pferd.
Wenn man es allzu sehr beschwert,
bricht es zu guter Letzt zusammen.

Je üppiger die Pläne blühen,
um so verzwickter wird die Tat.
Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,
und schließlich hat man den Salat!

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.
Es nützt nichts, und es schadet bloß,
sich tausend Dinge vorzunehmen.
Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!

Erich Kästner

Ernährung – aus dem Bauch heraus

Im Studium traf ich auf eine kluge Frau. Sie war Ärztin und viel herumgekommen in der Welt. Australien, Neuseeland, Kanada, Afrika. Manchmal gingen wir zusammen essen. Sie hatte eine interessante Art, Speisen und Getränke zusammenzustellen, und manchmal aß sie einen grünen Salat, manchmal eine Kalbshaxe, manchmal trank sie ein Wasser und manchmal ein riesiges Glas Hefeweizen. Sie las die Speisekarte, hörte in sich hinein, bestellte, genoss. Irgendwann erklärte sie mir, die beste Ernährungsform sei, genau das zu essen, was einem der Körper in der jeweiligen Situation vorschlage. Eigentlich banal, aber irgendwie auch nicht. Schon gar nicht für jemanden, der Jahre seines Lebens damit verbracht hat, Kalorien zu zählen und den Genuss gegenüber einem vermeintlichen Idealgewicht hinten anzustellen. Ich habe mich mühselig von mir im Nachhinein merkwürdig erscheinenden Ernährungsphilosophien gelöst. Meine Kinder haben diesen Vorgang beschleunigt, denn mit ihnen habe ich gelernt, in mich hineinzuhören. Essen ist so viel mehr als nackte Nahrungsaufnahme. Essen spendet Wärme, beruhigt, macht wach oder schläfrig, stimmt glücklich und tröstet. Nun werden mich Ernährungswissenschaftler steinigen und sagen, seht her, genau aus dieser Haltung resultiert Übergewicht. Stimmt aber nicht. Auch eine warme Gemüsesuppe tröstet ungemein. Ein Rohkostsalat, wenn ich durchgefroren mit den Kindern heimkehre, mag ernährungsphysiologisch sinnvoll sein, aber er wärmt nicht meine Seele. Manchmal sehe ich meine Kinder, wenn sie strahlend und mit roten Wangen vor dampfenden Tellern sitzen und von Gott und der Welt reden. Ich sitze gern gemeinsam mit ihnen am Tisch, zwischen uns schokoladige Brownies oder buttriger Streuselkuchen. Es gibt aber auch Tage, da wird ein Apfel nach dem anderen zerteilt, die Kinder häufen Mandarinenschalen auf den Tisch und ernähren sich von Gurkensalat mit Joghurtsoße. Und ich habe manchmal ein großes Bedürfnis nach Fleisch. Rindergulasch mit Orange und Paprika zu Weihnachten, Königsberger Klopse am Sonntag. Mein Bauchgefühl sagt, vollständig vegetarisch leben kann ich nicht.

Niemand von uns hat Gewichtsprobleme. Und wenn es so etwas wie Grundregeln gibt, dann nur die, dass die Mehrzahl unserer Nahrungsmittel nicht weit gefahren und so unbehandelt wie möglich sein sollte. Dass die Tiere, die ich esse, ein Leben haben sollten, bevor sie sterben. Dass die Eier und die Milch, die ich konsumiere, ein Wert an sich sind. (Dafür, nicht jeden Dreck zu essen, verzichte ich auf den Zweit- und Dritturlaub mit Flugzeug.)

Will eigentlich nur sagen: der Körper sagt, was er braucht. Leider ist es im Getöse der Lebensmittel(industrie) und in Anbetracht verschiedener Ernährungslehren, die wie goldene Kälber alljährlich neu (und gern zum Jahresbeginn) durchs mediale Dorf getrieben werden, manchmal schwer, seine Stimme zu hören. (Supermarktabstinenz wirkt da manchmal Wunder ;-)) …

Zwischen den Jahren – vom Sitzen und Schauen

Immer, wenn die Anspannung nachlässt, werde ich müde. Das Jahr 2013 war nicht ohne. Nicht ohne Freude, aber auch nicht ohne Tränen. Das Examen im Februar, Vertretungsstelle, Jobsuche, Arbeitsvertrag unterschrieben und gleich wieder gekündigt, weil plötzlich die Stelle direkt vor der Haustür winkte. Das Experiment „Vollzeit mit drei Kindern im Schuldienst“ gestartet. Ich habe gestaunt, geseufzt, geweint, beim Denken, Werden und Wachsen zugeschaut, 190 junge Menschen zwischen 11 und 18 in mein Herz geschlossen, am Wochenende Luft geholt, meine Grenzen bemerkt. Wir haben ein Haus auf dem Berg gefunden und gekauft. Ich habe den ersten Unfall meines Lebens gebaut und hoffe, dass es der einzige bleibt. Irgendwo zwischen Hoffnung, Vorfreude und Erschöpfung hat sich mein Zustand eingependelt. Ich habe im neuen Schulhalbjahr vier Stunden weniger – das Pensum, das mir in diesem Halbjahr zu viel auf der Brust lag. Und nun sitze ich am Schreibtisch, habe zwei von drei Stapeln abgearbeitet und arbeite im Zeitlupentempo. 30 Hefte warten noch auf mich, ebenso die Unterrichtsvorbereitung für die nächsten vier bis fünf Wochen. Ich genieße es dennoch oft, einfach nur zu sitzen und zu schauen. Aus dem Fenster, auf die Kinder, auf das Leben, das hinter mir liegt. Die Erinnerung an die eigene Kindheit stimmt mich oft traurig, das Zurückdenken ans Studium, an Menschen, die so ganz anders waren als die, die ich aus dem kleinen miefigen Dorf kannte, fühlt sich hingegen an wie Sonne, die sich durch Nebelbänke kämpft. Und je älter ich werde, desto mehr Erinnerungen habe ich in meiner Kiste. Auch dazu ist es gut, das Sitzen und Schauen. Für die Versöhnung mit mir selbst, dem Leben, dem Weg, den ich gehe. Der einen Sinn hat, den ich manchmal nicht erkennen kann – oder erst in der Rückschau. Wenn ich 2013 mit einem Wort beschreiben sollte, so war es lehrreich.

(und ob ich ab- oder zugenommen, meine Haare länger oder kürzer und den besten Sex der Welt habe: wen interessiert das schon? ;-))

Alles so langweilig …

… ob ich doch noch mal den Versuch starten sollte, ein Foodblog zu schreiben? Aber meine Fotos sehen gar nicht gestylt aus, und außerdem gibt es schönere, bessere, leckererere Blogs von schöneren, besseren und leckererereren Menschen. Andererseits ist Kochen und Backen das, was meine Seele in schweren Tagen aus mitteltiefen Depressionen rettet. Vielleicht könnte ich auch mal meine Lieblingskochbücher 2013 würdigen. Oder doch lieber ein Schulblog? Oder alles so halbverwahrlost lassen, wie es ist und nur dann bloggen, wenn ich Zeit habe, auf die Gefahr hin, dass irgendwann niemand mehr vorbeikommt? Oder ist das am Ende alles egal? Warum bloggt ihr denn so?

Das Töchterlein schreibt Beurteilungsbögen

elternbrief

 

(vor allem das „sehr gesprächig“ gefällt mir ausnehmend gut ;-))

Filmgucktipp

Falls Sie das Glück haben sollten, in einer Stadt zu wohnen, in der Das Pferd auf dem Balkon (Klick) in einem der kleineren Alternativkinos läuft, hätte ich eine Beschäftigung für die Weihnachtsferien. Ein anrührender Film über einen Jungen mit Asperger-Autismus, nicht kitschig, nicht hochdramatisch, aber höchst menschlich und ein bisschen wundersam. Und Wien-Flair mit multiethnischer Untermalung gibt es gratis obendrauf.

So harmlose Scherze …

… wenn man die Tafel aufklappt und innen geschrieben steht:

„Wia prauchen ga kaine Schule meer, wir sint gut genuk!“

(und man sich mit gespieltem Ernst am Kopf kratzt und ‚ach ja, danke, dass ihr mich darauf hinweist, fast hätte ich es vergessen, viel Spaß und Erfolg da draußen‘ ausruft, die Klassentür öffnet und die lieben Kleinen rufen: ‚Das war doch nur ein Wihitz, gnihihihi‘ – dann fühlt man sich ein klein bisschen wie Feuerzangenbowle und Kinder aus Bullerbü. Sechstklässler können sehr humorvoll sein.)

Leseverständnis …

… ist immer vom sozialen Kontext abhängig. So wundert es nicht, wenn Schüler einer Inklusionsklasse die Gedichtzeile „Trug den Rolli bis zum Hals“ erst einmal in ihrem Sinne deuten und erstaunt fragen, wie jemand mit Gehbehinderung sein Gefährt so hoch heben könne.

 

Die Küche ist mein Nähzimmer

Und immer, wenn ich zur Ruhe kommen möchte, gehe ich an den Herd. Und koche. Oder backe. Oder beides. Und bin zufrieden, wenn dabei Gerichte entstehen, die vom Feld um die Ecke in den Mund wandern. Beispielsweise Weißkohlpizza. Oder Borschtsch mit roter Bete, Möhren, den Weißkohlresten vom Vortag und Knollensellerie. Oder ein ganz schlichtes neues Sonntagmorgenbrötchen-Rezept. Das Schneiden, Rühren, Würzen, Abschmecken – es hat therapeutische Wirkung. Und erst recht das Zusammensitzen und Essen. Reden. Mehr braucht es nicht.

(Passt nicht ganz zum Thema, aber vor ein paar Monaten hingen in der Stadt viele Plakate mit dieser Werbung hier: Deine Mudda kocht (klick) – ich wollte die Plakatwerbung nutzen, um das Spiel der Werbung mit jugendsprachlichen Redewendungen zu verdeutlichen. Irgendwann war dann auch bei allen der Groschen gefallen. Nur ein Junge, Italiener aus leidenschaftlich gut kochendem Elternhaus, schaute mich verständnislos an. „Ja, meine Mutter kocht. Und es schmeckt gut. Warum sollte ich mein Essen woanders bestellen?“ Aus der Rubrik: wenn vermeintlich witzige Werbesprüche ins Leere laufen ;-))

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