Quadrat im Kreis

just an ordinary life

Besichtigen, Privatsphäre und so weiter

Heute war im Hause Kreis Tag der offenen Tür. Die Maklerin, die unseren Hausverkauf betreut, hatte im Halbstundentakt Hauskauf-Interessenten eingeladen. Darunter gab es Menschen, mit denen ich mich auf Anhieb verstand, die sich in die große Linde im Garten verliebten, verträumt aus der Dachgaube schauten, von Amselnestern schwärmten und am liebsten gleich unter die Regendusche im Bad geklettert wären. Solche auch, die ankündigten, am liebsten drei oder mehr Kinder haben zu wollen (oder schon zu haben, nur eben bei Oma geparkt). Bei anderen wiederum dachte ich „herrje“ oder wahlweise „Finger weg!“. Ehrlich, wenn Sie ein Haus besichtigen, öffnen Sie mal nebenbei Schränke, prukeln Löcher in Tapeten oder versuchen eine Fußleiste hochzuziehen, ohne zu fragen „Darf ich mal?“ Gehen Sie davon aus, dass Waschmaschine und Trockner beim Hauskauf in der Wohnung verbleiben? Fragen Sie ungehemmt, ob die Nachbarn auch so gern und laut feiern wie Sie? Und besichtigen Sie Häuser auch in Gruppen mit acht und mehr Mitgliedern (Nein, keine Kinder, dafür hätte ich ja noch Verständnis, nein, Oma, Opa, Tante, Onkel, Freund der Familie)? (ja, da wirkt die Doppelhaushälfte auch mit ihren 140qm etwas eng)

Es ist spannend zu beobachten, dass manche Paare eine halbe Stunde darüber diskutieren, wo die Schmalseite des Ehebettes zum Stehen kommen soll, und ebenso spannend, dass manche Männer aufblühen, sobald es in den Keller geht. Da läuft jemand 30 Minuten schweigend durchs Haus, sagt nur „hmmm, ja“, wenn seine bessere Hälfte ihm etwas zeigt, und kaum öffnet sich die Kellertür, geht ein Strahlen über vieler Männer Gesicht. „Boah, was für ein Keller!“, „Eine Heizung. Ein Schaltkasten für die Elektrizität!“ Nun sitzen der Mann an meiner Seite und ich erschossen auf dem Sofa und fragen uns, ob Sympathien gleichzusetzen sind mit Kaufinteressen. Und wen wir im Falle eines Falles am liebsten im Haus hätten.

Am besten gefallen hat mir dabei eigentlich der geschäftstüchtige Vierjährige, der sich vor mir aufbaute und sagte: „Also, dein Haus, da müssen meine Eltern drüber beraten! Aber ich möchte den Spielplatz da draußen kaufen (zeigt auf Garten mit Rutsche, Schaukel und Sandkasten). Was kostet der? Und hast du ein paar Kekse für mich?“

 

2 Kommentare

  1. *lach* – gute Beschreibung, das kommt mir sehr bekannt vor.

    Was aber das Öffnen der Küchenschränke anbelangt – hätte ich das nur bei der Besichtigung unseres alten Hauses damals gemacht ! Es wäre uns einiges erspart geblieben, oder wir hätten zumindest den Preis deutlich gedrückt. So aber mussten wir uns dann vom Anwalt sagen lassen, dass selbst schuld ist, wer aus lauter Höflichkeit die Privatsphäre der Verkäufer wahrt.

    Ich kann total gut verstehen, dass ihr das Haus nur in „gute“ Hände geben wollt. Da das aber nicht zwingend die solventesten Hände sein müssen, würde ich sofort zuschlagen, sobald die erste Zusage mit Finanzierungsbestätigung vorliegt. Auch aus schlechter Erfahrung heraus, leider. Die Familie, bei der die Kinder sich bereits die Kinderzimmer aufgeteilt hatten und die Eltern ach so begeistert waren, hat bis heute noch kein Objekt gekauft und wird auch keine Finanzierung bekommen (blöd, wenn man gemeinsame Bekannte hat *flöt*). Zum Glück hatten wir das rechtzeitig erfahren und dann anderen Interessenten zugesagt.

    Unser altes Haus bewohnt jetzt ein merkwürdiges Paar. Die ehemaligen Nachbarn sind nicht begeistert, aber wir haben unser Geld problemlos bekommen, da war uns der Geldbeutel näher als Nachbarschaft, schließlich geht es um hohe Summen.

    Ich wünsche euch, dass sich jemand ganz schnell entscheidet und ihr keine weiteren Besichtigungen mehr durchhalten müsst !

    • Frau Kreis

      30. Januar 2014 at 20:22

      Hat es hinter den Küchenschränken geschimmelt? Ich habe ja auch kein Problem mit Transparenz, ich fand das Vorgehen mancher Leute nur extrem unhöflich bzw. indiskret. Ich meine – unser Haus ist ja kein Museum, wo man ungefragt Schränke öffnet oder auf Entdeckungsreise geht. Der Hinweis mit der Solvenz, die sich nicht mit Sympathie decken muss, ist ein guter. Hier kommen gerade auch eher die nur bedingt sympathischen Naja-Leute zur Zweitbesichtigung.

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