Quadrat im Kreis

just an ordinary life

Month: Mai 2014

Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin

„Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber

wo ich bin will ich nicht bleiben, aber

die ich liebe will ich nicht verlassen, aber

die ich kenne will ich nicht mehr sehen, aber

wo ich lebe will ich nicht sterben, aber

wo ich sterbe, da will ich nicht hin

bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.“

(Thomas Brasch)

Wenn mich was nervt …

… sind es Zuschreibungen. Drei Kinder, da kann man nicht arbeiten. Und wenn ich jemandem sage (z.B. heute dem Architekten): „Ich muss jetzt gehen. Ab 09.30 Uhr wartet eine Horde Kinder auf mich. Die können nicht anfangen ohne mich“, dann geht er wie selbstverständlich davon aus, dass ich meine eigenen Kinder meine. Drei Kinder und arbeiten – da muss doch was faul sein. Schön die Frage, ob ich geschieden sei. Auch schön, ob denn der Mann arbeitslos sei und wir das „nötig haben“. Und mit Argusaugen wird darüber gewacht, ob meine Kinder in der Schule auch mitkommen, schmutzige Fingernägel haben oder gar ein auffälliges Verhalten an den Tag legen. Ich muss sie meist enttäuschen, die interessierten Außenstehenden. Außer bei den Fingernägeln. Die sind manchmal schmutzig.

Letztens lief im TV eine Doku über Menschen in Europa. Zu den glücklichsten zählen die Dänen. Die portraitierte Familie (Mutter und Vater in Vollzeit berufstätig, die Kinder bis halb vier in Schule und Kindergarten) wirkte sehr entspannt und keinesfalls so, als müsse gleich Jugendamt oder Schulpsychologe verständigt werden. Zeit füreinander? Klar. Den Nachmittag und ganzen Abend lang. Und abends, so bekannte die Mutter, schlafe sie gern auf dem Sofa ein. Neben ihrem Mann. Ich fühlte mich seelenverwandt.

Manchmal denke ich, ich bin im falschen Land. Zur falschen Zeit. An schlechten Tagen auch im falschen Film. Dabei fühlt sich das, was ich tue, richtig an. Ich bin zufrieden, den Kindern geht es gut, ich weiß, ich kann sie allein durchbringen, wenn alle Stricke reißen. Und irgendwie reißen in meinem Umfeld gerade viele Stricke. Familien mit gleichaltrigen Kindern brechen auseinander, Kinder weinen im Unterricht, weil ihre Eltern sich trennen, Männer ziehen in Haus A aus und in Haus B mit der neuen Partnerin wieder ein, und wenn ich mir vorstelle, meine Beziehung würde in die Brüche gehen, wenn ich neben all dem Schmerz und der Kränkung auch noch ohne alles dastünde (in dieser Hinsicht halte ich die de-facto-Rechtsprechung im neuen Scheidungsrecht für absurd: einerseits sind es in der Mehrzahl die Mütter, bei denen der Hauptaufenthaltsort der Kinder ist, andererseits sollen sie bitte danke in Vollzeit arbeiten, damit der Papa auch noch eine zweite Familie gründen und finanzieren kann …) – bin ich sehr, sehr dankbar für meine Arbeitsstelle. (Und kann gar nicht so viel essen, wie ich k. möchte, wenn ich bei bei Das Nuf die Auszüge aus Reportagen zur Altersarmut bei Frauen lese.)

Auf Spurensuche

Dort losgewandert, wo wir demnächst wohnen. Und so viel entdeckt dabei.

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