Ich Rabenmutter. Arbeite in der zweiten Woche der Weihnachtsferien. Bereite Unterricht vor. Und schicke die Kinder in Kindergarten und Schule. Hole sie nachmittags wieder ab. Heute war da ein Stau, der mich 20 Minuten Zeit kostete. Ich war eigentlich pünktlich. Als ich aber die Schule erreichte, war es zwei Minuten nach Schließungszeit. Ich entschuldigte mich höflich, wies auf den Stau hin und bekam ein pampiges „Ja, das haben wir auch gemerkt, dass Sie gar nicht kamen!“ zu hören. Verwirrt ging ich mit dem Kind zum Auto. Während ich losfuhr, begann es zu weinen. Der Erzieher habe zu ihm gesagt, er wolle schließlich auch mal nach Hause, und wenn ich nicht käme, könne es – das Kind – ja draußen vor der Tür warten und er, der Erzieher, endlich gehen. Zwei Minuten. Ein verheultes Kind. In den letzten eineinhalb Jahren war ich nie zu spät – im Gegenteil, das Kind war meist zwei Stunden vor Schließung der Ganztagsschule auf dem Heimweg. Den Kindergarten, den ich dann staubedingt ebenfalls zu spät erreichte, bot mir, statt mich verbal zu ohrfeigen, einen Kaffee an. „Jetzt entspann dich mal, wir sitzen im Warmen, sind satt und zufrieden, es geht uns gut und den Kindern auch!“

Warum nicht überall?